Jenseits drückender persönlicher Armut wird in unserer Gesellschaft
auch gerne die institutionelle Armut ausgemacht. Die Universitäten –
kein Geld mehr. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk – an der
Armutsgrenze. Die Krankenhäuser – Fesseln an allen Gliedern durch
Geldmangel. Die Kommunen – bankrott. Das Land – klamm. Die Beispiele
sind Legion. Tatsächlich aber ist nicht alles arm, was klagt. An
Universitäten werden nach wie vor Mittel nur deshalb verteilt, weil sie
da sind. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist arm auf hohem Niveau.
Es gibt Kliniken, die nur deshalb nach frischem Geld rufen, weil sie
für das alte Geld das Falsche gekauft haben. Einzig bei den Kommunen
und auch noch beim Land.... – aber das ist ja gar nicht mein Thema,
weder die Hochschulen noch der WDR noch die Gesundheit. Ich nehme diese
Beispiele nur für eine Beobachtung, die man immer wieder machen kann.
Ich will damit sagen, dass wir Mangel gerne auch dann beklagen, wenn etwas, was wir gerne hätten, fehlt, obwohl es eigentlich da ist. Es fehlt nicht objektiv, nur subjektiv, weil wir es einfach nicht wissen. Eine Art gefühlte Armut. Es fehlt uns, obwohl es davon bei näherer Prüfung reichlich gibt. Man kann auch sagen: vor lauter Bäumen den Wald übersehen.
Angebote für Medienkompetenz sind hier ein schönes Beispiel.
Ich will damit sagen: Wir müssen die Sahne nicht mehr produzieren, wir können sie längst schlagen. Aber das geht natürlich nur, wenn wir wissen, wo wir sie finden.
Ich nenne ein paar Plätze für Medienkompetenz aus dem Bereich der Landesanstalt für Medien.
Mir kommt diese Situation – etwas zu haben und nichts oder zu wenig davon zu wissen - ganz ähnlich vor, wie sie sich für jemanden stellt, der die Schätze des Internet heben möchte. Nicht das Angebot ist notleidend. Es wächst und wächst. Es gibt unendlich viel. Das Navigieren ist das Problem. Die Suche gilt den Wegen durch den Überfluss zu den Punkten, die mich interessieren. Dabei sind fürs Erste weder die Wege oder gar die Ziele das große Problem. Zunächst sind es einfach nur die Wegweiser.
Darauf reagieren wir. Wir haben einige aufgestellt.
Aber wir ruhen uns nicht aus im Schatten dieser Portale.
In Unruhe versetzt uns zum Beispiel, was in den Familien passiert – genauer: noch nicht passiert. Also dort, wo der Kindergarten nicht hinreicht und die Schule ebenso wenig. Das hat uns jetzt dazu gebracht, zusammen mit dem Familienministerium, solche Multiplikatoren anzugehen, die zwar unheimlich viel von der Familie, aber viel zu wenig von den Medien verstehen. Wir wollen sie instand setzen, dass sie Experten für beides werden. Weil wir wissen, dass Familienleben und Medienverhalten eine enge Verbindung eingegangen sind.
Unruhig macht uns auch die Erfahrung, dass wir oft nur für die etwas tun, die schon etwas haben. Dass wir die ohnehin schon Privilegierten noch weiter privilegieren. So haben wir uns vorgenommen, in einem nächsten Schritt zu sehen, wie man den sozial Benachteiligten näher kommt, die nicht nur im Medienbereich Mangel leiden. Wir entdecken und betreten damit einen Teufelskreis, in dem der eine Mangel den anderen noch verstärkt. Wir entdecken aber zugleich die Schlüsselrolle, die den Medien dabei zufällt. Sie sinnvoll – das meint am Ende: selbstbestimmt, aktiv - einzusetzen, ist eine der Chancen, aus dem Teufelskreis langsam herauszufinden. Dazu haben wir ein Projekt aufgelegt, das wir kürzlich ausgeschrieben haben, in dem wir die Auswege sondieren, zusammen wieder mit solchen, die möglichst nah an denen dran sind, die wir nie erreichen würden.
Auch diese Anstrengung macht anschaulich, wie wir die Förderung von Medienkompetenz grundsätzlich verstehen. Wir sehen in dieser Arbeit eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen, die darauf abhebt, alles zu tun, damit am Ende ein medienmündiger Bürger steht. Das ist, in der kürzesten Formulierung, die ich dazu finde, einer, der macht und nicht einer, der immer nur gemacht wird. Einer der macht und dadurch die Macht der hauptberuflichen Macher ein bisschen durchschaut, entheiligt, ernüchtert. Glauben Sie mir, man muss den Medien nicht glauben. Schauen ist gut, durchschauen ist besser.
Das alles passiert rund um den Tag der Medienkompetenz: