"Anpassung an die Entwicklung"

Interview mit Prof. Dr. Norbert Schneider, Direktor der Landesanstalt für Medien Nordhein-Westfalen
Mittwoch, den 10.11.2004, 18:06 Uhr

 Welches Ziel hat diese Veranstaltung und welche Erwartung haben Sie?
Erstens: Sie sollte auf dem Feld der Netzkommunikation an einzelnen Projekten arbeiten. Zudem sollen sich die Tätigen gegenseitig informieren. Zweitens: Dass man einen interessanten, vor allem jugendinteressiertem Publikum damit die Gelegenheit geben kann, sich sachkundig zu machen, was so alles läuft. Es ist ja nicht alles hier, das geht gar nicht, es ist so wahnsinnig viel in Arbeit, dass man eigentlich nur einen kleinen Ausschnitt der Medien sieht. Es sind hier Sachen von Hochschulbibliotheken bis hin zum Handwerk vertreten, es sind komplett verschiede Dinge. Ich denke, dass sich Schulklassen hier einen relativ umfangreichen Eindruck verschaffen können, was man alles tun kann. Und hoffentlich auch angeregt werden, ein eigenes Projekt in diese Richtung zu gestalten.

Welchen Kontakt haben Sie zu Medien und welche gebrauchen sie bei ihrer Arbeit?
Das ist das, was meine Frau mich abends zu Hause auch immer fragt. Natürlich die klassischen wie Fernsehen und Rundfunk, das ist unser Geschäft. Dann reden wir mit den Veranstaltern und den Verantwortlichen, machen Programmanalysen und prüfen die Inhalte und stellen Forschungen drüber an. Seit neuestem sind auch die neueren Medien, wie vor allem das Internet betroffen, da die Kontrolle dieses Mediums in Folge eines Staatsvertrages auch in unser Arbeitfeld liegt. Wir kontrollieren es nicht, aber wir versuchen viele Faktoren vor allem Kinderpornographie, Rassismus und Antisemitismus zu bekämpfen. Gegen diese negativen Einflüsse arbeitet mittlerweile eine speziell dafür angelegte Kommission und greift hart durch, um viele dieser Ringe zu zerschlagen.

Wie kann man durch Medien Politik näher an die Jugendlichen bringen?
Das ist eine sehr schwer zu beantwortende Frage, denn im Prinzip müsste man erst klären, welche Politik durch die Medien vermittelt wird. Was wir im Moment beobachten ist, dass sie sehr personell vermittelt wird. Die Bevölkerung bekommt nur etwas von der Politik beigelegt, so bald jemand etwas damit zu tun hat. Die Politik wird in den Medien stark kritisiert und angegriffen; klar denn die Öffentlichkeit bekommt mehr negative Informationen als positive. Wären die Informationen, die veröffentlich werden, analytischer, ruhiger und umfangreicher vermittelt, wäre es einfacher die Politik an sich dem Jugendlichen näher zu bringen. Denn das Interesse der Jugend und das Interesse an sich fehlt in diesem Bereich. Die Talkshows haben mittlerweile den Ortsverein ersetzt. Das ist auch ein Problem für die Parteien: Die Leute informieren sich lieber über solche Sachen als über die Politik. Also ist Fernsehen ein enorm wichtiger Aspekt für die Vermittlung von Politik.

Wird durch Medien die Selbstständigkeit der Jugendlichen gehemmt?
Grundsätzlich nicht, ich denke nicht dass Jugendliche ihre Selbstständigkeit hemmen, wenn sie sich einem großen Medienkonsum unterziehen. Durch Medien kann dem Jungendlichen ein umfangreiches Wissen verliehen werden, denn bestimmte Vorkommnisse können nur durch Medien wie Fernsehen, Bücher oder Internet vermittelt werden, wie zum Beispiel Krieg. Wo sonst kann man sich in die Gefühlslage der Menschen versetzen oder aber Informationen über solche Tatsachen erlangen. Allerdings wer sich nur auf Medien beschränkt dem fehlt etwas, vor allem die Bewegung. Am Besten ist es, eine gute Mischung von beidem zu haben und man sollte auch aufpassen, dass sie erhalten bleibt.

Welche Vorteile versprechen Sie sich durch die Veranstaltungen für die Schulbildung?
Für die Schule und Schüler wird Politik somit eventuell interessanter und damit werden auch die Schulen angeregt, eigene Projekte auf die Beine zu stellen. Wir veranstalten ja nicht nur so was, sondern auch Wettbewerbe in diese Richtung um einen gewissen Ansporn zu schaffen. So etwas ist eine große Gelegenheit, um sich in diesem Bereich Informationen zusammen zuholen.

Sehen Sie keine Gefahr darin, dass Jugendlichen die Fähigkeit zur Kommunikation verlieren und die Partizipation in Politik und Arbeit so verlernen?
Die Gefahr besteht, dass sich Jugendliche nach der Schule nur noch um ihren PC kümmern und dadurch diese Fähigkeit vernachlässigen. Das Problem Mediensucht entsteht, wenn Jugendliche nur noch nach Videospiele gelüsten und keinen Kontakt zur Außenwelt mehr aufnehmen.

Die Arbeitsgruppen „Spiele ohne Grenzen“ hatten die These, die Altersfreigabe der Medien zu ändern. Wie sehen sie das?
Es wurde praktisch schon geändert, früher gab es nur 18, 16, 12 FSK und heutzutage gibt es nur noch 16 und 18 FSK. Die Altersfreigaben sowie die Sendezeiten sind wie ein Käse ohne Löcher.

(Autoren: Rafael Marques & Niko Pawlukiewicz)


Das alles passiert rund um den Tag der Medienkompetenz:

Initiatoren: Staatskanzlei NRW und Landtag NRW, Partner: Landesanstalt für Medien NRW