"Gespräch bei Tisch ist wichtiger als einsamer Hot Dog vorm Computer"

Ministerpräsident Peer Steinbrück(SPD) appelliert beim Umgang mit Medien an Eigenverantwortung der Bürger
Mittwoch, den 10.11.2004, 17:57 Uhr

Am Rande des Medientages interviewten wir den Ministerpräsidenten Peer Steinbrück, der uns Rede und Antwort stand.

 Wie stellen Sie sich ein Bildungskonzept vor, das gewährleistet, dass jeder Bürger Zugriffsmöglichkeiten zu den Medien hat und keine Beeinflussung durch Extremisten aus jeglichen Fraktionen möglich ist?
Angesichts der offenen Form des WWW ist sehr schwierig, irgendeine Form der Kontrolle der zugänglichen Informationen zu ermöglichen - so bedenklich diese Informationen zum Teil auch unter moralisch- ethischen oder politischen Bewertungs-Maßstäben sein mögen. Daher muss vor allem die Vermittlung des Umgangs mit Medien Gegenstand unserer Bildungspolitik sein, auch in den Bildungseinrichtungen des Landes.

Ich finde den Hinweis richtig, dass dies auch zunehmend Bestandteil von Familienpolitik sein soll. Wir müssen die Menschen fit machen für den Umgang mit den modernen Medien, aber die Politik ist es nicht alleine…. Es gibt auch eine Eigenverantwortung der Menschen. Die Politik ist nicht omnipotent und kann nicht alles lösen, sondern auch die Bürger sind gefragt - die Eigenverantwortung der Bürger.

Sehen Sie keine Gefahr darin, dass die Jugend angesichts der Vielfalt der Medien es verlernt sich zu artikulieren und so die Möglichkeit der Partizipation in Beruf und Politik verpasst?
Die Gefahr sehe ich, und deshalb habe ich vorhin auch darauf aufmerksam gemacht, dass gelegentlich vielleicht das Zwiegespräch mit dem Computer nicht so wichtig ist wie das mit einem Freund, einer Freundin oder der Familie, und dass vielleicht manchmal das Videospiel auch durch das Familienbrettspiel ergänzt werden sollte. Das gemeinsame Gespräch bei Tisch ist vielleicht wichtiger als der Hot Dog vor dem Computer. Es gibt darüber eine solche Vereinsamung und Individualisierung der Gesellschaft, das empfinde ich als ein großes Risiko.

Aber noch einmal: Die Menschen sind auch da selber aufgefordert, Eltern, aber auch Schulen, einer solchen Entwicklung entgegenzuwirken.

Welche Ziele und Erwartungen verbinden Sie mit dem Tag der Medienkompetenz?
Mit solchen Veranstaltungen können wir deutlich machen, wie wichtig es ist, dass die Menschen gerade angesichts der wahnsinnigen Dynamik dieser Mediengesellschaft selbst die Kontrolle darüber behalten müssen, wie sie die Informationen nutzen und wie sie kritisch mit dem Angebot umgehen.

Vielleicht können wir auch erreichen, dass die Nutzer ein wenig selbstkritisch fragen, ob sie als Konsumenten wirklich alles, was ihnen unstrukturiert und undifferenziert geboten wird, aufnehmen sollten. Gelegentlich kann es nämlich auch hilfreich sein, den Knopf zu finden, mit dem man etwas ausschalten kann.

(Autoren: Timo und Kati)


Das alles passiert rund um den Tag der Medienkompetenz:

Initiatoren: Staatskanzlei NRW und Landtag NRW, Partner: Landesanstalt für Medien NRW